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Rover Red Charlie

22. Juni 2016

Matthias Holm

ROVERREDCHARLIESOFTCOVER_Softcover_348Dog Days Are Over – das wusste schon Florence + The Machine. Und auch Charlie sieht seine Tage als normaler Hund gezählt, schließlich benehmen sich die Fütterer plötzlich ganz merkwürdig. Nicht nur, dass sie den Tieren kein Futter mehr geben – sie schlachten sich auch noch gegenseitig ab oder stürzen sich von Hochhäusern. Da er das Gefühl hat, er müsse den Fütterern irgendwie helfen, macht sich Charlie mit seinen Freunden Red und Rover auf den Weg über den großen Platsch.

 

 

Garth Ennis muss Fans von erwachsenen Comics nicht vorgestellt werden. Wer von diesen Namen noch nichts gehört haben sollte – Ennis ist bekannt als Autor der großartig-garstigen Serien „Crossed“ und „Preacher“. Und „Rover Red Charlie“ gliedert sich mit einer verqueren Prämisse und seiner expliziten Gewaltdarstellung perfekt in diese Reihe ein.

 

Eine Besonderheit ist vor allem Dingen die Sprache. Die Hunde sind nicht unbedingt klug, was sich in ihren Gesprächen niederschlägt. So haben sie kindliche Worte für Dinge wie das Meer – das eingangs erwähnte große Platsch – oder benennen unbekannte Sachen ähnlich naiv. An diese Art der Dialoge muss sich der Leser erst einmal gewöhnen, ansonsten wird man mit „Rover Red Charlie“ keinen Spaß haben. Allerdings gelingt dies doch erstaunlich schnell. Am besten ist dies zu sehen an dem Ausruf „Ich bin ein Hund!“ Was anfangs wie ein zufälliges Gimmick in der Geschichte wirkt, wird während der Odyssee mit Bedeutung aufgeladen und zum würdevollen Ausdruck von Freude aller Hunde.

 

Die komplette Geschichte wird über die drei Tiere erzählt – häufig ein Indikator für Fabeln, in der Probleme der menschlichen Welt auf das Tierreich übertragen werden. Und auch „Rover Red Charlie“ zeigt nicht nur heftigen Gore – aufgerissene Hundeleiber sind keine Seltenheit – sondern gibt dem Leser genügend Spielraum für Interpretationen. Meine persönliche Meinung: Die Hunde, vor allem Charlie, suchen nach einem Sinn in ihrem Dasein, den sie bisher darin sahen, einer höheren Macht zu dienen, in diesem Fall die Menschen. Erst nachdem diese Macht entfällt, sind die Hunde wirklich frei und können sich wie richtige Hunde verhalten. Übertragen auf die Menschen wäre dies die Furcht vor der Religion, in diesem Fall wäre die übergeordnete Macht ein Gott. Was sind eure Meinungen dazu, habt ihr eine andere Interpretation?

 

„Rover Red Charlie“ ist auch die erste große Arbeit des digitalen Zeichners Michael DiPascale. Zwar steuerte er bereits Artworks für Arbeiten wie „Once Upon A Time Machine“ und Cover für zum Beispiel „Crossed“ bei, zum Durchbruch reichte es allerdings noch nicht. Auch die Zeichnungen von „Rover Red Charlie“ wirken erstmal ungewohnt, gerade die Mimik der Hunde sehen merkwürdig verzerrt aus. Aber ähnlich wie mit der Sprache gewöhnt man sich mit der Zeit an den Stil und lernt ihn sogar zu schätzen.

 

Panini spendiert uns wie immer eine mehr als gute Veröffentlichung. Es gibt sowohl ein Vorwort von Comic-Gott Alan Moore sowie eine redaktionelle Einleitung. Gerade die düsteren Farben treten bei der Druckqualität und dem hochwertigen Papier ideal hervor. Zum Schluss gibt es nicht nur die inzwischen obligatorische Cover-Galerie, sondern auch einige erweiterte Szenenbilder, die die Stimmung des Comics perfekt einfangen. Und wer sich nicht mit dem typischen Softcover zufrieden geben möchte, kann sich auch mit ein paar Euros mehr an einer Hardcover-Variante erfreuen.

 

Zwischen den Zeilen wird man es bemerkt haben – „Rover Red Charlie“ ist nicht für jedermann. Der Hinweis „Empfohlen ab 18 Jahren!“ auf der Rückseite ist wirklich ernst zu nehmen. Wer sich allerdings auf das einlässt, was Ennis und DiPascale hier zeigen, bekommt eine wahrhaftig fantastische Fabel präsentiert. Für volljährige Comicleser eine saftige Empfehlung.

 

Autor: Garth Ennis
Illustrationen: Michael DiPascale
Verlag: Panini Comics
Seitenanzahl: 164 Seiten, Softcover
Erstveröffentlichung: 24.05.2016
Bild: Quelle Panini Comics
Copyright 2016 by Matthias Holm