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Der Tod von Wolverine

16. Juni 2017

Sascha Jacob

ww0-196x300 Der Tod von WolverineWolverine ist tot. Wer jetzt denkt, wir erlauben uns einen schlechten Scherz, der hat ein bisschen Recht. Wolverine ist ja noch gar nicht tot. Aber da wir bereits zu Beginn unserer Review-Karriere ausführlich über den Tod Wolverines und dessen Fallout berichtet haben, ist es nun endlich Zeit, das Hauptevent mal unter die Lupe zu nehmen. Also, Krallen gewetzt und ab dafür!

 

 

Wolverine hat ein Problem. Er weiß es, seine Freunde wissen es, seine Feinde wissen es auch. Durch einen außeriridschen Virus seiner Regeneration beraubt ist er nicht nur sterblich – er stirbt. Das Metal auf seinen Knochen bringt ihn genauso um wie die nukleare Strahlung der erlebten Atomexplosion in Nagasaki, von einem Heer aus Söldnern und alter Feinde mal ganz abgesehen. Und Heilung wissen nicht mal die klügsten Köpfe. Was also machen? Logan sorgt dafür, dass seine letzten Tage von Frieden erfüllt sind. So zumindest der Plan.

 

Denn natürlich decken sich die Pläne von Logan nicht mit dem Rest der Welt. So sieht sich der haarige Kanadier schnell mit einer immer größer werdenden Anzahl an Feinden konfrontiert, die ihm ans Leder wollen. Nur dass sie das gar nicht wollen. Lebend gefangen werden? Das ist neu für Wolverine. Und so macht er sich auf eine letzte blutige Jagd die ihn durch die Wälder des Nordens und die exotische Metropolen von Madripoor und Tokio bis schließlich in die trockene Wüste Nevadas führt. Für die letzte Abrechnung.

 

‚Der Tod von Wolverine‘ erzählt in vier Teilen auf 132 Seiten das letzte große Abenteuer Wolverines, geschrieben von Charles Soule (Secret Wars: Civil War) und gezeichnet vom kongenialen Steven McNiven (Old Man Logan, Civil War, Spider-Man). Marvel wusste genau, dieser Comic muss ein Event werden, welches seinem Namensgeber gerecht wird. Und so ist der vorerst letzte Auftritt Logans tatsächlich überaus unterhaltsam. Spannend bis zum Schluss prügelt sich Wolverine, ganz wie man es von ihm kennt, von Spur zu Spur und hinterlässt dabei eine Schneise der Vernichtung. Autor Soule schafft es dabei, mit wenigen Worten der Geschichte das richtige Gewicht zu verleihen.

 

Steven McNiven gehört nicht ohne Grund zur obersten Riege von Marvels Pinselschwingern. Die zerfurchten Gesichter Wolverines, die wunderschönen Locations und die brutalen Kämpfe sind alle ohne Gleichen und mit großer Liebe fürs Detail aufs Papier gebannt. Von den Kirschblüten Tokios zu den Untergrundlaboren Nevadas gibt es keine Situation, in der McNiven nicht eine Qualität abliefert, die sich für ein Event dieser Größenordnung gehört. Immer Eins plus mit Sternchen.

 

‚Der Tod von Wolverine‘ ist am Ende des Tages nicht perfekt. Die Geschichte ist cool und kurzweilig, hinterlässt jedoch das gleiche Gefühl wie die meisten Heldentode: Ein unbestimmtes Gefühl von ‚Ach, der kommt doch wieder.‘ Umso beeindruckender ist es, dass Wovlerine zumindest in seiner klassischen Iteration bisher noch nicht von Marvel aus dem Ruhestand zurück beordert wurde. Die einzige andere Schwäche von ‚Der Tod von Wolverine‘ ist schlicht die Tatsache, dass es auf Jahrzehnten von Comics und Hintergründen aufbaut. War Wolverines Zustand bereits in den letzten Monaten seiner verschiedenen Serien ein Thema, so beziehen sich viele der Anspielungen in ‚Der Tod von Wolverine‘ auf Wissen, dass nur der eingeweihte Fan versteht. Doch dies ist ja bekanntlich nichts neues für den geneigten Superheldenfan.

 

Panini veröffentlichte ‚Der Tod von Wolverine‘ wahlweise im klassischen Softcover-Tradepaperback sowie als limitierte Hardcover-Ausgabe. Hervorzuheben sei an dieser Stelle nochmal das ausführliche Bonusmaterial. Neben einer enorm ausführlichen Cover-Gallerie befindet sich ein mehrseitiges, kommentiertes Making-Of von McNiven im hinteren Teil des Sammelbands. Sehr lesenswert.

 

Autor: Charles Soule
Illustrationen: Steve McNiven
Verlag: Panini Comics
Seitenanzahl: 132 Seiten, Softcover/ Hardover
Erstveröffentlichung: DE 01.2017, US: 2014
Bild: Quelle Panini Comics
Copyright 2017 by Sascha Jacob