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Caliban

24. August 2017

Matthias Holm

CALIBANODYSSEEINSGRAUEN_Softcover_103„Unendlichkeit hört sich gut an, bis man sie sich aus dem Fenster eine Weile ansehen konnte.“ Dies sind Worte von der ersten Seite von „Caliban“, einem Science-Fiction-Horror-Comic von Garth Ennis. Dieser Mann muss nicht mehr vorgestellt werden, Comic-Fans wissen um seine Werke wie „Crossed“ oder „Preacher“. Deshalb darf man auch durchaus Erwartungen haben, wenn von diesem Mann etwas Neues kommt und mit „Rover Red Charlie“ hat er damals auf krude Art und Weise  abgeliefert.

 

 

Die Fußstapfen, in die „Caliban“ tritt, sind allerdings auch riesig. Wie im Vorwort beschrieben wird, ist natürlich der Gründer des Sub-Genres, Ridley Scotts Film „Alien“, das große Vorbild. Und der findige Leser wird auch diverse Parallelen finden. Es geht um das titelgebende Schiff, was Mineralien transportiert, wobei ein Großteil der Crew den Flug durch den Hyperraum in Schlafkammern verbringt. Plötzlich jedoch steckt die Caliban in einem anderen Schiff fest und diejenigen, die diesen kuriosen Zusammenstoß überleben, müssen sich mit einer besonders fiesen Lebensform herumschlagen.

 

Ähnlich verdutzt wie die Figuren in dem Comic ist auch der Leser das ein oder andere Mal. Die Panelführung ist nicht unbedingt ideal, es kam nicht nur einmal vor, dass ich beim Lesen nicht mehr wusste, wo nun was gerade statt findet. Mag sein, dass so die fehlende Orientierung der Protagonisten simuliert werden soll, für den Leser ist dies allerdings mehr als unkomfortabel. Ansonsten bewegt sich „Caliban“ auf einem hohen künstlerischen Niveau.

 

Facundo Percio, der auch bereits mit Warren Ellis und Alan Moore zusammen arbeitete, schafft es, wunderschöne Designs zu verwirklichen – mit Ausnahme einer bestimmten Alien-Rasse, die eher uninspiriert wirkt. Doch gerade durch die Verschmelzung unterschiedlicher Technologien gibt es wunderbar groteske Wechsel zwischen der Caliban, einem dunklen, klaustrophobischen Schiff, und dem Alien-Schiff, welches eher aus großen Hallen besteht, aber aus dem Unbekannten in ihm seinen Schrecken zieht.

 

Wer hier jetzt allerdings eine Gewaltorgie erwartet, wird eher enttäuscht werden. Wie schon im „Alien“-Vorbild kommt der Schrecken eher auf leisen Sohlen, lange weiß man nicht, womit die Crew es überhaupt zu tun hat. Ganz kann Ennis aber auf die Brutalität nicht verzichten und so gibt es punktuell Blut, abgezogene Haut und durchtrennte Leiber. Diese Wechsel tun gut, der Sprung vom schleichenden Horror zum Splatter und wieder zurück schafft „Caliban“ hervorragend. Leider bleibt die eigentliche Geschichte samt diverser Figuren hier ein wenig auf der Strecke. Viele der Crewmitglieder sind austauschbar und die Entwicklung der zwei Hauptfiguren kommt auch eher sprunghaft daher. Dennoch bleibt man gerne am Ball, man will ja wissen, wer als nächstes abgeschlachtet wird.

 

So ist der Comic durchaus zu empfehlen. Natürlich sollte man volljährig sein, dass ist bei Werken von Garth Ennis aber keine Neuheit. Ein paar Abzüge gibt es in den angesprochenen B-Noten, das schmälert das Leseerlebnis aber nur geringfügig. Als kleines Extra zur deutschen Veröffentlichung gibt es noch Auszüge aus dem Skizzenbuch von Percio. Wer also nach dem eher enttäuschenden „Alien: Covenant“ Lust auf feinen Horror im Weltall hat, kann beruhigt zugreifen, zumal in dem Band auch alle sieben Hefte enthalten sind.

 

Autor: Garth Ennis

Zeichner: Facundo Percio

Verlag: Panini Comics

Seitenanzahl: 180, Softcover

Veröffentlichung: DE 29.08.2017

Bildquelle: Panini Comics

 

Copyright 2017 by Matthias Holm