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Die Pfeffer Chroniken

3. August 2017

Matthias Holm

Pfeffer_TitelMit Parodien ist es immer so eine Sache. Falsch angegangen können sie schnell peinlich wirken, wer allerdings sein Handwerk versteht, kann so einen klugen Blick auf das parodierte Grundmaterial werfen, ohne es bloß zu stellen. „Die Pfeffer Chroniken“ gehört glücklicherweise zur letzteren Kategorie.

 

 

Die junge Mara Payne hat es als Gesetzeshüterin nicht leicht. Denn viel passiert in ihrem Örtchen Zarg nicht, das höchste der Gefühle ist ein Wildpinkler. Umso besser, dass sie von ihrem Vater in die Großstadt Acco geschickt wird, in dem es vor Bösewichten sicherlich nur so wimmelt. Und tatsächlich gerät Mara als Kadettin der Stadtwache in die Ermittlungen zu einer obskuren Mordserie, welche sie mit dem eher feigen Zauberer Jacop aufdecken will.

 

Die Geschichte von „Die Pfeffer Chroniken“ bewegt sich zum größten Teil in vorhersehbaren Bahnen, was daran liegt, dass das Autoren-Team sich das Fantasy-Genre als Zielscheibe ihrer Witze ausgesucht hat. Umso schöner ist es, dass die Auflösung des großen Mysterium dann doch mit verschiedenen netten Kniffen aufwarten kann, die auch Leser überraschen werden, die sich im Genre auskennen. Generell gibt es einige Aspekte, die sich vom Einheitsbrei parodistischer Erzählungen abheben. So gibt es eine Sekte, die in einer Welt, in der Magie vorherrscht, die Mathematik anbetet – Frevel! Was als sehr lustiger Gag beginnt, wird im Verlaufe der Geschichte plötzlich zu einem essenziellen Bestandteil der Ermittlung. So wird der Leser immer am Ball gehalten, auch wenn die Figuren nur selten über Klischees hinweg kommen.

 

Der Humor ist allerdings ein etwas zweischneidiges Schwert. Es gibt immer wieder tolle Anspielungen in den Dialogen und Bildern, sowie echt gute Running Gags, wie zum Beispiel Maras Problem, Türen normal zu öffnen. Manchmal driftet der Comic aber leider auch in die Sphären des Fäkalhumors ab. Derbe Witze, wie die Verwendung von Einhornfleisch oder explodierende Vögel, sind in dem Kontext noch unterhaltsam. Wenn die Geschichte allerdings mit Penis- und Kot-Sprüchen um sich wirft ist das schade, da dies doch häufig nicht zum restlichen Ton passen will und so beim Lesen immer wie ein Fremdkörper wirkt.

 

Optisch hat sich der Band nichts vorzuwerfen. Es werden viele große Flächen benutzt, die perfekt zum jeweiligen Ort der Handlung koloriert sind und dabei wird auch nicht vor expliziter Gewalt in blutrot gescheut. Lediglich bei der Darstellung von sehr schnellen Bewegungen wird ein Unschärfe-Effekt benutzt, an dem man sich bis zum Schluss nicht richtig gewöhnt. Ein großes Lob geht allerdings an das Design. Die Figuren haben alle Charakteristika, anhand derer man sie immer wieder leicht erkennt. Und neben den vielen versteckten Witzen im Hintergrund – mal sehen, ob jemand die Anspielung an Marvels Superhelden findet – ist ein absolutes Highlight der kurze Besuch in der Dämonenwelt. Ähnlich wie bei „Chihiros Reise ins Zauberland“ gibt es so viele coole Kreaturen zu begutachten, dass es nicht wundert, wenn eins dieser Wesen an das Ohngesicht erinnert.

 

Der Zwerchfell Verlag bringt „Die Pfeffer Chroniken“ in einem handlichen Hardcover-Format heraus. Ein Highlight hierbei ist der Hochglanzdruck, der die Farben des Comic schön zum Vorschein bringt. Am Ende gibt es einige kleine Skizzen sowie Informationen zu den Autoren, die den guten Gesamteindruck abrunden. Somit ist der Band für all diejenigen zu empfehlen, die von den normalen High-Fantasy-Settings schnell gelangweilt sind und das Ganze ein bisschen veralbert sehen wollen. Doch auch Freunde locker-leichter Unterhaltung sollten mal einen Blick riskieren. Definitiv eine kleine Überraschung des Comic-Jahres.

 

Autoren: Dan Scribner, Anna-Maria Jung, Rebekie Bennington

Zeichner: Anna-Maria Jung Rebekie Bennington

Verlag: Zwerchfell Verlag

Seitenanzahl: 212, Hardcover

Erstveröffentlichung: 07.2017

Bildquelle: Zwerchfell Verlag

 

Copyright 2017 by Matthias Holm