80erDie 80er Jahre sind für die junge Nation Taiwan eine wichtige Zeit – so auch für Sean Chuang, der in dieser Zeit seine ersten Schritte aus der Kindheit hinaus in die Welt der (jungen) Erwachsenen macht. Und auch wenn eine Kindheit in Taiwan wahrscheinlich nicht unterschiedlicher sein kann als in Deutschland, so ist doch mehr gleich als man zuerst denkt.

 

 

Die Geschichte Taiwans bzw. der Republik China ist überaus bewegt, seit ihrer Gründung im Jahre 1912 bis heute. So ist der wichtigste Punkt in der Geschichte die Aufhebung des Kriegsrechts. Auch der wirtschaftliche Aufschwung und die beginnende Demokratisierung Taiwans sind immer wieder Ankerpunkte, an denen Sean Chuangs Lebensgeschichte mal un- und mal mittelbarer entlang schrammt. So liegt der Schwerpunkt natürlich mehr auf den persönlichen Anekdoten, die jedoch gekonnt mit der Landesgeschichte verwoben werden. So vermischen sich Geschichten über Bruce Lee, japanische Riesenroboter und zornige Veteranen zu einem lebendigen Bild einer für uns Europäer fremden Welt.

 

Sean Chuang erzählt selbstironisch von seinen Erlebnissen, auch wenn er stehts in einem etwas ernsterem und reflektierenden Ton verbleibt. Ein Vergleich mit deutschen Autobiografien wie Flix ‚Held‘ oder Mawil ‚Kinderland‘ ist daher nur bedingt möglich. Dennoch ist in jeder Geschichte mehr als ein Schmunzler versteckt. Leser mit einem Gespür für asiatische Erzählungen werden es hier jedoch sehr viel leichter haben.

 

Auch visuell ist ‚Meine 80er Jahre‘ ansprechend, wenn auch nicht mainstreamig. Chuangs Zeichnungen erinnern eher an Manga als an westliche Comics, auch wenn gefühlt der eine oder andere französische Einfluss zu finden ist. Sean Chuangs grafische Ausbildung ist definitiv zu sehen und macht den Band zu einem angenehmen Lesererlebnis, der ein authentisches Bild seiner Heimat liefert, ohne dabei auf übergroße Bilder oder Knalleffekte zu setzen.

 

Chuangs Buch erscheint bei Chinabooks E.Wolf und man merkt dem Verlag an, dass hier erste Erfahrungen mit der Veröffentlichung von Comics gemacht werden. Der Band selbst kommt im verstärkten Softcover daher und erscheint zweisprachig. Die deutsche Übersetzung liest sich zu großen Teilen flüssig und angenehm. Das Schriftbild der deutschen Hälfte jedoch ist unvorteilhaft, die Schriftart eher für einen Fließtext passend als für eine Comicveröffentlichung. Ein informatives Vorwort des Autors sowie eine Kurzbiografie runden das fast 400 Seiten starke Buch ab.

 

‚Meine 80er Jahre – Eine Jugend in Taiwan 1′ ist interessant und charmant, wenn auch mit ein paar Kinderkrankheiten versehen. Es ist jedoch großartig, dass einem eher exotischen Titel, der im Heimatmarkt Asien etliche Preise gewonnen hat, hier so eine Bühne gegeben wird. Klare Empfehlung für den anspruchsvollen Comicleser und Interessierte von Biografien oder eben Taiwan.

 

Autor: Sean Chuang (Zhuang Yongxin)
Illustrationen: Sean Chuang (Zhuang Yongxin)
Verlag: Chinabooks E.Wolf – 华瑞图书网
Seitenanzahl: 380 Seiten, Softcover
Erstveröffentlichung: DE 08.2015, Asien: 2013
Bild: Quelle chinabooks.ch
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