moon-knight-wchter-der-nacht-1-softcover-softcover-1500390097Die Gerüchte um eine Netflix-Serie zu Moon Knight halten sich seit längerer Zeit hartnäckig. Und das wäre durchaus logisch. Wie die Defenders ist Moon Knight eher ein Held aus der zweiten Reihe, der seine Abenteuer auf den Straßen erlebt – und dabei wenig zimperlich vorgeht. Umso schöner zu sehen, dass Panini auch etwas ältere Geschichten des Anti-Helden neu auflegt.

 

 

Nach einem besonders traumatisierenden Ereignis ist Marc Spector ein gebrochener Mann. Seine Freunde und Verbündeten hat er von sich gestoßen, sein Geld ist weg und er ernährt sich von Pillen. Sein Leben als Moon Knight ist nur noch eine Erinnerung, die Statue von Khonshu, der ägyptische Gott, der ihn damals nach seinem Tod wieder ins Leben gebracht hat, hat er verhüllt. Und doch kommt Spector nicht zur Ruhe, sowohl die mysteriöse Vereinigung Das Komitee als auch seine eigenen Depressionen und Wahnvorstellungen machen ihm enorm zu schaffen.

 

Moon Knight wird ganz gerne mal als Marvels Batman bezeichnet. Und auch in „Wächter der Nacht“ gibt es die ein oder andere Parallele zu DCs dunklem Ritter. Gerade die Szenen in Spectors Haus, in denen er im Rollstuhl vor sich hin vegetiert, erinnern frappierend an den Anfang von Christopher Nolans „The Dark Knight Rises“. Allerdings stammt die Geschichte „The Bottom“, die in dem vorliegenden Paperback enthalten ist, bereits aus dem Jahre 2006, ob sich Nolan vielleicht was bei dem Konkurrenz-Verlag abgeschaut hat?

 

Verübeln kann man es ihm nicht. „The Bottom“ ist mehr Charakterstudie als gewöhnlicher Superheldencomic. Marc Spector tritt meistens als er selbst auf, stets gebrochen und nahe dem kompletten Wahnsinn. Dieser wird ideal auf den Leser transportiert. Durch verschiedene Erzählperspektiven weiß man nie so recht, ob man gerade die Realität sieht oder nur eine von Spectors Halluzinationen. Autor Huston geht tief in die Psyche seines Anti-Helden. Das ist intensiv und meistens auch verstörend. Und daran hat auch Zeichner David Finch einen großen Anteil.

 

Finch zeichnet die Helden und Schurken übermäßig groß, beinahe wie eine Karikatur. Ihre menschlichen Alter Egos sehen dagegen beinahe mickrig aus. Am offensichtlichsten ist dies in den Panels, in denen Marc Spector von Visionen seines Erzfeindes Bushman heimgesucht wird. Und das ist kein schöner Anblick, beim letzten Aufeinandertreffen zwischen Moon Kinght und Bushman verlor letzterer sein Gesicht – wortwörtlich. „Wächter der Nacht“ ist düster, blutig und brutal, alles an diesem Comic schreit nach einem Alptraum.

 

Der erste „Wächter der Nacht“ Band schafft es perfekt, Moon Knight sowohl für Einsteiger verständlich zu machen, als auch neue Einblicke für diejenigen zu gewähren, die den Mondritter schon kennen. Der einzige Nachteil – der Tradepaperback hört auf einem fiesen Cliffhanger auf. Und ja, man möchte sehen, wie sich die Figur nach dieser Tortur weiter entwickelt und es mit anderen Bösewichtern zu tun bekommt. Gerne auch irgendwann in Serien-Form.

 

Autor: Charlie Huston

Zeichner: David Finch

Verlag: Panini

Seiten: 156, Softcover

Erstveröffentlichung: 15.08.2017 DE

Bildquelle: Panini

 

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