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Symmetry

18. August 2017

Matthias Holm

SYMMETRY_Softcover_971Dystopien kommen nie aus der Mode. Ob als Buch, Film oder eben auch in Comic-Form, es gibt immer wieder neue Ansätze, um eine nicht funktionierende Zukunft zu zeigen. Eine wichtige Rolle spielen dabei immer mal wieder künstliche Intelligenzen. Das Unbehagen, die Computer könnten irgendwann mal die Herrschaft übernehmen und die Menschen unterdrücken, ist in Zeiten, in denen KIs schon Geheimsprachen entwickeln, aktueller als je zuvor. Leider macht „Symmetry“ aus dieser Prämisse viel zu wenig.

 

 

Die Menschheit lebt im vollkommenen Frieden. Schon vor der Geburt bekommen die Föten eine RAINA implementiert, die ihnen im Verlaufe des Lebens zur Seite steht. RAINA ist nämlich eine KI, die mit SOL verbunden ist – einem Mega-Computer, der die Sicherheit der Menschen garantiert. Das passiert über totale Kontrolle. Es gibt keine Emotionen, Fortpflanzung gibt es nur, um den Fortbestand der Art zu sichern. Doch nach einem schlimmen, unvorhersehbaren Ereignis scheint die perfekte Fassade des Systems zu bröckeln.

 

Das größte Problem liegt bei „Symmetry“ ausgerechnet in der Welt und der erzählten Geschichte, was bei einer Dystopie dieser Art beides doch so wichtig ist. Ganz häufig hat man das Gefühl, Schreiber Matt Hawkins hätte einfach nur ein paar gute Ideen gehabt und versucht, diese durch einen Plot zu verbinden. Ob das nun zusammen passt oder nicht ist dabei egal. Am gravierendsten sieht man das bei der Sache mit der Geburt. Da wird lang und breit erklärt, dass die Kinder eine lange Zeit geschlechtslos sind und sich ab einem bestimmten Punkt entscheiden, ob sie männlich oder weiblich sein wollen. Auch eine Verbindung zu den Eltern ist nicht gestattet. Die Krux an der Geschichte – spätestens fünf Seiten später ist dieser Punkt absolut egal und wird während der restlichen Handlung nicht mehr aufgegriffen.

 

Und so geht das mit vielen Plotpunkten. Sie tauchen an manchen Stellen kurz auf, nur um ganz schnell wieder zu verschwinden. Der Comic strauchelt unfokussiert vor sich hin, keine Figur möchte einem richtig ans Herz wachsen, sind sie doch eh nie wirklich lange da. Viel zu häufig springt die Erzählung von Figur zu Figur, von Panel zu Panel, ohne dass man ein richtiges Gespür für das entwickelt, was gerade passiert. So bleiben bedeutungsschwangere Sätze über, die aber kein Gewicht haben, es gibt zu viele Leerstellen, die nicht von der Fantasie der Leser gefüllt werden können.

 

Wenn denn immerhin die Bilder unterhalten könnten. Raffaele Ienco entwirft einige wunderbare Panoramen und auch das Design mancher Roboter, gerade die sogenannten Peacekeeper, sind nichts Neues, aber schön anzuschauen. Doch gerade die Menschen, die im Laufe der Geschichte eigentlich mehr Emotionen zeigen sollen, haben meistens verzerrte Gesichtszüge, die in keinster Weise realistisch wirken. Auch die Action wirkt meist eher statisch als dynamisch.

 

Zurück bleibt ein enorm unbefriedigendes Gefühl. „Symmetry“ hat einige nette Ideen, die sich aber nie auszahlen. Letzten Endes ergibt sich der Comic in Plattitüden und altbekannten Mustern, wobei er immer den Eindruck macht, dass er eigentlich mehr sein möchte. Immerhin gibt es in der deutschen Veröffentlichung bei Panini noch eine schöne Covergalerie mit einigen Variant-Covern, bei denen man sieht, dass Iencos Stärke in großen Bildern liegt. Außerdem ist die Geschichte in einem Softcover abgeschlossen, was durchaus ein Pluspunkt ist. Wer eine deutlich positivere Meinung zum Comic lesen möchte, sollte die Rezension von Kumpel Reumeier lesen – dem hat „Symmetry“ besser gefallen.

 

Autor: Matt Hawkins

Zeichner: Raffaele Ienco

Verlag: Panini Comics

Seitenanzahl: 196, Softcover

Erstveröffentlichung: DE: 25.07.2017

Bildquelle: Panini Comics

 

Copyright 2017 by Matthias Holm