LOCKE26KEYMASTEREDITIONBAND1_426Das schöne daran, wenn man erst spät zu den Comics kommt: Man hat sehr viel nachzuholen. Umso praktischer, wenn dann der ein oder andere Verlag Klassiker – ob alt oder modern – neu raus bringt. So erscheint „Locke & Key“ bei Panini in der so genannten Master Edition, in der jeweils zwei Handlungsbögen zusammen gefasst sind.

 

 

Nach einem verstörenden Erlebnis zieht die Familie Locke, bestehend aus dem Ältesten Tyler, der rebellischen Kinsey, dem jungen Bode und der Mutter Nina, nach Lovecraft, Massachusetts in das so genannte Keyhouse. Als Bode dort einen Schlüssel mit merkwürdigen Fähigkeiten findet, fangen die Geister der Vergangenheit an, sich zu bewegen.

 

„[…] das mit Abstaand Beste […], was das Genre und sowieso der Horror-Comic in den letzten zehn Jahren gesehen [hat]“. Große Worte von Christian Endres in der Einleitung zur Master Edition. Allerdings sprechen diverse Nominierungen sowie Gewinne des Eisner Awards und des British Fantasy Awards  eine deutliche Sprache – „Locke & Key“ ist etwas besonderes. Doch der Anfang wird einem nicht einfach gemacht. Der erste Teil von „Willkommen in Lovecraft“ fordert den Leser mit vielen schnellen Ortssprüngen und Figurenwechsel heraus, man muss mit voller Aufmerksamkeit dabei sein. Wer hier allerdings bereits aufpasst, wird recht schnell belohnt.

 

Denn Zeichner Gabriel Rodriguez setzt schon früh Duftmarken seines Könnens. Kleine Details in den Panels, wiederkehrende Motive, Perspektivwechsel, das alles saugt den Leser schnell in die Welt hinein. Und auch wenn man den Zeichnungen ihre Herkunft aus den 2000ern ansieht, ist die Kreativität, die hier in die Bilder gegangen ist, schlicht unglaublich. Das liegt allerdings auch an der unfassbar spannenden Geschichte.

 

Autor Joe Hill ist, wie wahrscheinlich alle inzwischen wissen, der Sohn von Stephen King. Doch er braucht sich gar nicht hinter seinem Vater zu verstecken – denn zusammen mit Rodriguez gelingen ihm wahre Schauermomente. Während Werke wie „Outcast“ oder „Wytches“ vor allem durch Atmosphäre punkten können, gelingt „Locke & Key“ das Wechselspiel zwischen Schocks, Anspannung und blutiger Action stets perfekt. Manche Panels muss man sich sogar zwei mal angucken, kann man doch schnell mal Kleinigkeiten übersehen, die einem den Schauer über den Rücken jagen.

 

Je weiter die Geschichte in den beiden Bögen „Willkommen in Lovecraft“ und „Psychospiele“ kommt, desto mehr tritt der Horroraspekt in den Hintergrund. Wären das bei anderen Werken ein herber Verlust, erzählt „Locke & Key“ noch eine überaus interessante Fantasy-Geschichte, die mit ihren jugendlichen Protagonisten zu fesseln weiß. Und es werden enorm viele Hinweise gestreut, auf das, was noch kommen mag sowie Dinge, die schon weit in der Vergangenheit liegen. Hier wird eine Mythologie aufgebaut, der man sich schwer entziehen kann.

 

Einem solchen Werk gebührt natürlich auch eine entsprechende Veröffentlichung – und die „Master Edition“ verdient ihren Namen auf jeden Fall. Die Geschichten sind hier in chronologisch richtiger Reihenfolge in einem wunderbarem Hardcover gesammelt. Dazu kommt noch eine Übersicht über wichtige Objekte und eine umfangreiche Skizzensammlung – da hüpft jedes Fan-Herz.

 

Der einzige Makel – man ist enorm schnell fertig mit dem Lesen und noch ist die zweite Master Edition nicht angekündigt. Doch man will mehr. Denn auch neun Jahre nach der Veröffentlichung ist „Locke & Key“ immer noch ein Ausnahmewerk. Dementsprechend hatte Herr Endres in seiner Einleitung Recht. Unbedingt zugreifen!

 

Achja, wer zu faul zum Lesen ist – die Gerüchte um eine Adaption fürs Kino oder Fernsehen halten sich hartnäckig. Momentaner Stand: Der US-Dienst Hulu hat einen Piloten für eine Serie bestellt, der von „Es„-Regisseur Andy Muschietti inszeniert wird. Der bringt auch gleich einige Schauspieler aus seiner Stephen King-Verfilmung mit, so wurde u.A. Jackson Robert Scott (bei „Es“ als Georgie zu sehen) gecastet. Wir bleiben gespannt.

 

Autor: Joe Hill

Zeichner: Gabriel Rodriguez

Verlag: Panini Comics

Seiten: viele

Veröffentlichung: 25.07.2017

Bildquelle: Panini

 

Copyright 2017 by Matthias Holm