CROSSEDMONSTEREDITIONBAND1_Hardcover_501Die Apokalypse ist mal wieder da. Doch wenn ein Herr namens Garth Ennis das ganze inszeniert, spitzt man doch lieber die Ohren. So kam 2008 „Crossed“ auf den Markt. Die Serie über den brutalen Wandel eines Großteils der Menschheit wurde seitdem von anderen Kreativteams weiter geführt und entwickelte sich zu einem eigenen Universum. In der vorliegenden „Monster Edition“ liegen nun die erste Geschichte vom Schöpfer Ennis sowie der Nachfolger „Family Values“ aus der Feder von David Lapham vor.

 

 

Dabei ist das Grundszenario erst mal alt bekannt: Eine Art Seuche befällt Menschen, die danach einen ziemlich Trieb zu morden haben. Doch von richtigen Zombies kann hier keine Rede sein, denn während die wandelnden Toten meist stumpf rum torkeln – oder rennen – sind die Befallenen in „Crossed“ etwas anders drauf. Erkennbar an einem roten Kreutz im Gesicht, scheinen die Infizierten sämtliche Hemmungen fallen zu lassen und nur noch ihren dunkelsten, animalischsten Trieben zu folgen. Wo das hin führen kann? Nun …

 

Gewalt ist immer ein schwieriges Thema in Medien. Wie weit darf man gehen, was darf man zeigen? Diskussionen um Schnitte oder gar Verbote sind, vor allem im Filmbereich, an der Tagesordnung. Normalerweise kann ich mich von solchen Werken gut distanzieren. „Crossed“ hat es aber geschafft, meine Einstellung zu dem Thema zu überdenken – mehrmals. Es ist kein Fun-Splatter, auch wenn alles, was hier passiert, absurd übertrieben ist. Dennoch wirken die gezeigten Szenarien erschreckend real, nah an der Wirklichkeit. So ist man immer wieder verstört, wenn innerhalb beider Geschichten Dinge passieren, die man eigentlich nicht beschreiben möchte – minderjährige Leser sollten hier auf jeden Fall die Finger von lassen.

 

Es ist natürlich obsolet zu fragen, ob ein Künstler so was machen darf – natürlich. Muss man es deswegen gut finden? Auf keinen Fall. Und bei „Crossed“ wird diese Brutalität dem gesamten Konstrukt sogar fast zum Verhängnis. So entsetzlich und grausam die Taten der Infizierten sind, so egal ist die Geschichte der Menschen. In einer Zeit, in der in etlichen Zombie-Filme, -Serien und -Comics bereits sämtliche Thematiken durch gekaut wurden, können vermeintliche Schockmomente einfach nicht mehr ihre volle Wirkung entfalten. So ist das menschliche Drama in beiden Geschichten die schwächste Stelle.

 

Das man von dem Gewaltgrad so geschockt ist, liegt natürlich nicht nur an den Autoren. Sowohl Jacen Burrows als auch Javier Barreno malen ihre Dystopien in blutrot auf die Comicseiten. Dabei gelingen ihnen Details, die man manchmal vielleicht lieber übersehen hätte, karge Wildnis und entsetzliche Figuren. Doch am meisten können sie auftrumpfen, wenn der Comic mal ruhigere Töne anschlägt. Gerade in der ursprünglichen Geschichte gibt es einen wirklich wunderbaren Moment, der dem Leser absolut magisch vorkommt.

 

Zu seinem Release war „Crossed“ sicherlich ein Tabu-Brecher und auch heute noch verstört die Gewalt und Perversion der verwandelten Menschen. Allerdings können die beiden Geschichten dem ganzen Genre keine neuen Aspekte abgewinnen, vieles hat man einfach bereits gesehen. Ob man sich also auf diesen Trip begibt, sollte jeder für sich selbst entscheiden – beliebt ist die Serie, gibt es inzwischen doch bereits diverse andere Weiterführungen der von Ennis aufgebauten Welt.

 

Autoren: Garth Ennis, David Lapham

Zeichner: Jacen Burrows, Javier Barreno

Verlag: Panini Comics

Veröffentlichung: 29.08.2017

Seiten: 420, Hardcover

Bildquelle: Panini

 

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