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Thor – Ragnarök

6. November 2017

Sascha Jacob

TRIn der nordischen Mythologie steht Ragnarök für das Schicksal der Götter bzw. die Götterdämmerung, den Weltuntergangsmythos. Die Welt geht unter, die Götter kämpfen, sterben und am Ende entsteht die Welt neu. Ein Kreislauf von Tod und Wiedergeburt. Marvels Wikingeraliens rund um den Donnergott Thor fußen auf eben dieser nordischen Mythologie und auch dort ist eben jene Götterdämmerung immer wieder ein Thema gewesen. 2004 war es dann soweit: Das Ende ist da. Marvels Thor: Tag der Entscheidung räumt gerade hammerschwingend im Kino auf, Grund genug für Panini, den Klassiker wieder unter das lesende Volk zu bringen.

 

 

Odin ist im Kampf gegen den Feuerriesen Surtur gefallen, Thor steht nun an vorderster Front der Asen, der göttlichen Aliens, die Asgard und seine Reiche bewohnen. In diesen unruhigen Zeiten schafft es der verschlagene Loki, sich dem Herz der Sonne zu bemächtigen, dem legendär-mächtigen Urstoff, aus dem einst Mjölnir geschmiedet wurde, Thors Hammer. Aus diesem Material lässt er eine ganze Reihe Hämmer anfertigen, von ähnlicher Macht, und stattet die Antagonisten mit ihnen aus. Mit dem Totenschiff Naglfar und einer gewaltigen Armee im Rücken fahren Loki und seine Verbündeten aus, Asgard in Schutt und Asche zu legen.

 

Schnell fordern die Kämpfe erste Opfer und Thor an den Rand der Verzweiflung. Loki muss aufgehalten werden, Ragnarök gestoppt. Und warum muss Thors Volk überhaupt immer wieder den Zyklus von Ragnarök ertragen, immer wieder kämpfen und sterben für redundante Ziele?

 

Als Thor – Ragnarök 2004 erschien sollte es den Endpunkt für einen der populärsten Helden aus Marvels Stall markieren. Wie so oft sind die Geschichten vor so einem Serienende lang, verstrickt und eher für Langzeitleser gedacht. So fällt es ein wenig schwer, den Einstieg in Ragnarök zu finden, sah das Asgard der frühen 2000er doch ganz anders aus als das der späten 2000er oder gar der 2010er Jahre. Auch lernt man mit der Lektüre solcher Klassiker moderne Autoren wie Jason Aaron oder Mark Millar erst so richtig schätzen und kann absehen, was für eine Revolution solche Autoren eingebracht haben.

 

Ragnarök will viel und man merkt, dass die ursprünglich auf vier Hefte angelegte Serie stark mit seinem Umfang zu kämpfen hatte – so sehr dass am Ende sechs Hefte die Leser durch die Apokalypse der Asen führt. Und trotzdem muss sich Autor Michael Avon Oeming enorm viel auf Narration und Textboxen verlassen, um die komplexen Ideen und mythologischen Hintergründe auch für unkundige Leser unterhaltsam und verständlich aufzubereiten. Auch dass Ragnarök den Abschluss einer sechsjährigen Serie ist, hilftNeulingen nicht wirklich, sich einzufinden, trotz Paninis wie üblich sehr guten Job in der redaktionellen Einleitung.

 

Visuell führt Thor – Ragnarök uns in eine Zeit zurück, in der Comics visuell einen enormen Sprung nach vorne machen – computerkolorierte Zeichnungen dominieren das Heft und wirken heute nicht mehr zeitgemäß – müssen aber 2004 ganz oben mitgespielt haben. Einige der Bilder sind enorm stark – Auftritte von Figuren wie Beta Ray Bill oder dem Totenschiff Naglfar werden stylisch und bildgewaltig umgesetzt, andere gehen im Panelfluss des amerikanischen Mainstreamcomics leider unter.

 

Thor – Ragnarök ist ein Klassiker und ein würdiger Abschluss für eine lange Serie. Für Fans des Hammerschwingers eine klare Empfehlung – die Figuren und Verhältnisse erschließen sich. Neulinge und Filmfans jedoch sollten ihren Startpunkt woanders setzen.

 

 

Autor: Michael Avon Oeming
Illustrationen: Daniel Berman, Andre DiVito
Verlag: Panini Comics
Seitenanzahl: 156 Seiten, Softcover, lim. Hardcover
Erstveröffentlichung: DE 09.2017, US 2004
Bild: Quelle Panini Comics
Copyright 2017 by Sascha Jacob